Braucht man ein Zuhause?

Es muss irgendwann in meiner Pubertät passiert sein, ich kann nicht mehr genau sagen, wann und wo genau. Wahrscheinlich ist es schleichend daher gekommen und irgendwann war es völlig präsent: Das Gefühl, nicht zu Hause zu sein und diese Sehnsucht wieder zurück nach Hause zu kommen.

Ich zog mit meinen Eltern in ein altes, renovierungsbedürftiges Häuschen, das sie sich damals gekauft hatten und sah den Grund für dieses Gefühl darin, mein damaliges Zuhause verloren zu haben. Als ich Jahre später auszog, begann eine Odyssee an Wohnungsumzügen. Innerhalb von 7 Jahren siedelte ich ganze zehn mal von einer Wohnung zur nächsten, immer auf der Suche nach einem ‚richtigen‘ Zuhause. Und überall wo ich hinkam, gab es irgendwelche Störfaktoren, die dann dieses Zuhause-sein für mich einfach unmöglich machten. Ich litt sehr unter diesem Zustand, nirgends hinzugehören und keinen festen Platz zu haben, schob es aber konsequent immer auf die Umstände im Außen.

Als wir uns dann vor drei Jahren unsere Neubau-Wohnung kauften, war ich fest entschlossen, diesen Ort zu meinem Zuhause zu machen und mir alles so zu richten, wie ich es wollte.
Und das machte ich. Es war DAS Paradies für mich, eine völlig leere Wohnung, ohne sanierungsbedürftige Räume genau nach meinen Wünschen und Bedürfnissen gestalten zu können. Es war, als würde ich mit dem Gestalten dieser weißen Wände vor mir auch die leeren Stellen meines Lebens befüllen. Wochen und Monate verbrachte ich damit, diese Räumlichkeiten zu gestalten, steckte mein ganzes Herzblut hinein und realisierte all meine Ideen. Unbemerkt befand ich mich plötzlich inmitten meines größten kreativen Prozesses. Ich lebte in meiner eigenen Kreativwerstatt. Niemand konnte mir dort vorschreiben, was ich machen durfte oder musste und was ich unterlassen sollte. Das erste mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, das tun zu dürfen, was ich wirklich wollte.

Ich gab mich diesem kreativen Fluss einfach hin. Und indem ich das tat, war ich plötzlich angekommen. Diese wunderschöne Wohnung hatte mir geholfen, endlich wieder ein Zuhause zu haben. Gleichzeitig wurde mir aber bewusst, dass es nicht die Wohnung an sich war, die dieses Gefühl in mir auslöste.

Es war die Freiheit, ich selbst sein zu können, selbst darüber bestimmen und entscheiden zu können, was ich tun möchte und dass ich den Raum hatte, meinem Herzen zu folgen.
Diese Möglichkeit stellte mein Leben völlig auf den Kopf und ich fühlte mich wie neu geboren, so frei und so leicht. Endlich war ich dort, wo ich immer sein wollte: Zuhause – Zuhause in mir.

Zuhause ist kein Ort, den man auf dieser Welt findet. Zuhause ist ein Ort in deinem Herzen!

Mit dieser Erkenntnis begann ich gleichzeitig diese Wohnung loszulassen, mich innerlich zu verabschieden. Sie hatte mir gedient, den Stein wieder ins Rollen gebracht und ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder gehen würden und ich genoss die Zeit, inmitten meiner eigenen Ideenschmiede, in vollen Zügen.

Dass wir ein Jahr später bereits auf Reisen gehen würden, hatte ich damals noch nicht geahnt …

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